Das Märchen von Sabine, sehr löchrigem Käse, einem 5. Geburtstag und selten so schlagbaren Chinesen
Am 6. Mai machten sich fünf Elbe-Anhänger auf eine große Reise ins Land der Royals und Beatles, von Big Ben und Doppeldeckerbussen. Von Frank Dulik.
Aufbruch
Gut zwei Jahre nach dem letzten Highlight, der Team-EM in Malmö in Schweden, tritt der TTC Elbe in der selben Besetzung an und versucht, mit einigen Fanutensilien im Gepäck, wieder ordentlich für Stimmung zu sorgen und die deutschen Mannschaften lautstark bei der Team-WM zu unterstützen.
Clemens, Simon, Katja, Helen und Frank packten ihre Koffer, ölten ihre Stimmen und schon ging’s auf Richtung OVO-Arena in London, wo wir von Mittwoch bis Sonntag so einiges an Spektakel erleben wollten.
Während Simon, Clemens, Frank und Helen den Hinflug von Dresden mit Umstieg in Frankfurt wählten, kam Katja direkt aus ihrer Wahlheimat Wien.
Hasenohren und BI-NE-Einstieg
Gleich Mittwoch fanden zu unserem Glück, ausgerechnet abends, die Achtelfinals der deutschen Damen und Herren statt.
Zwischen Koffer abstellen und erstem Durchatmen ergatterten wir auf den letzten Drücker noch Tickets für die Abendsession (17 Uhr bis 22 Uhr / 23 Uhr) bei der beide Teams aufliefen.
Die Halle bot reichlich freie Sitzwahl und beste Voraussetzungen, uns deutlich zu hören.
Irgendwie war´s ungewohnt, sich auf neue Anfeuerungsrufe einstellen zu müssen. War unser TI-MO TI-MO (Kariereende 2025) doch schon in Fleisch und Blut übergegangen. Trotz allem machten wir uns hochmotiviert und voller Vorfreude bereit … zogen uns bunte Streifen durchs Gesicht, setzten Hasenohren auf und holten die Fahnen raus.
Und es lohnte sich. So ein bisschen auf BI-NE (Sabine Winter) und ihrem neuen, sehr sehenswerten Spiel mit Anti-Belag auf der Rückhand eingeschossen, pushten wir die Damen zu einem 3:0 gegen Nordkorea.
Auch die Männer um Benedikt Duda, Dang Qiu und Patrick Franziska setzten sich souverän mit 3:0 gegen Hongkong durch.
Wir traten zufrieden den 20-minütigen Fußweg Richtung Ferienwohnung an, wo die Zimmerzuteilung recht schnell erledigt war.
Eigentlich sollte es an dem Abend noch eine ganz besondere Party geben, denn unser Trainingsweltmeister (wer nicht gleich drauf kommt >Simon) hatte Geburtstag!
Die Nacht war jung, wir allerdings nicht mehr. Somit gewann das Bett nach kurzem Spieleabend nach Punkten. 🙂
Simon bekam neben unserem Geschenk ein Einzelzimmer mit eigenem Bad.
SA-BI oder BI-NE. Egal. Hauptsache spektakulär!
Der nächste Morgen begann mit einem gemütlichen Frühstück. Simon setzte eine Krone auf, pustete die Kerze aus und es entstand etwas verspätet ein Hauch von Geburtstagsatmosphäre. Wir waren uns über sein genaues Alter nicht einig, deshalb pustete ich eine riesige “5“ auf.
Beim späteren Spaziergang durch Camden Town und dem Regent´s Park genossen wir die frische Luft in der riesigen Parkanlage und stimmten uns gedanklich schon auf die nächsten spektakulären Spiele in der Arena ein.
Leider ohne weitere Beteiligung der deutschen Herren, die genau in dem Moment ihr Viertelfinale 1:3 gegen Japan verloren.
Jetzt konnten wir unsere volle Konzentration auf das Viertelfinale der Damen am Abend richten. Da nur noch an einem Tisch gespielt wurde und asiatische Fans gut vertreten waren, entstand schon mal eine ganz andere Stimmung. Die kreischenden Schreie waren für uns neu und gleichzeitig etwas speziell.
Gegen Hongkong drehte Sabine Winter, die mit 33 Jahren wieder Spaß am Tischtennis gefunden hat und als Nr. 9 der Welt derzeit beste Europäerin ist, nach 0:2 Satzrückstand richtig auf. Egal ob SA-BI oder BI-NE-Rufe … sie würdigte unseren Jubel und Beifall mit spektakulären Ballwechseln.
Nach den Siegen von ihr und der Abwehrspielerin Ying Han (43 Jahre), konnte die Niederlage vom 19-jährigen Nachwuchstalent Annett Kaufmann leicht verkraftet werden, denn auf Sabine war Verlass. Ihr 2. Sieg bedeutete das 3:1 gegen Hongkong, der Einzug ins Halbfinale und eine sichere Medaille. „Juhuuuuu…“
Danach verfolgten wir das enge Viertelfinale der Herren: Schweden (mit dem Weltranglistenzweiten Truls Möregardh) gegen Taiwan, welches 2:3 endete.
Buckingham Palace, Big Ben und Bier
Was fehlte uns noch auf unserer To-do-Liste? Genau, Sightseeing. Dafür haben wir uns den Freitag ausgesucht. Katja zauberte uns ein englisches Frühstück mit Beans, Eggs und Toast. Das Wetter war uns auch wohlgesonnen. Ich könnte jetzt einige Stationen unserer Tour, vorgeschlagen von Clemens bzw. seiner besseren Hälfte, aufzählen. Deswegen mach ich´s auch. 🙂
Buckingham Palace, St. James`s Park, Piccadilly Circus, Westminster Abbey, Trafalgar Square, Big Ben. Wir fühlten uns wie waschechte Touristen und verhielten uns kameratechnisch auch so. Bei einem Kaffee wurde außerdem wie in Malmö auf die Anzahl der Bücher gewettet, die Simon diesmal aus dem Bookstore schleppt.
Nach der Schifffahrt auf der Themse kehrten wir nicht weit von der Tower Bridge in einem typisch englischen Pub ein (inklusive Craft Beer), denn beides wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.
Mit der U-Bahn zurück, ließen wir den Touri-Tag wieder mit Spieleabend bis 2 Uhr und der Erkenntnis, dass Katja immer alle Spiele gewinnt, ausklingen.
Einige von uns lagen etwas verwirrt im Bett und dachten noch über den Fakt nach, dass es vielleicht Käse gibt, der mehr Löcher hat als Käse!?!? Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß. 🙂
Nah am Historischen
An Ausschlafen war nicht zu denken. Denn das Halbfinale Deutschland – Japan begann recht früh.
Immer wieder eingefangen vom Kameramann, der sich oft neben uns platzierte, gaben wir auf der Tribüne alles. Wir klatschten uns die Hände wund und schrien uns die Stimmen heiser.
Doch die Japanerinnen erwischten einen starken Tag. Das Ergebnis hieß 0:3. Aus war der Traum vom Finale. Ying Han, Sabine Winter und Nina Mittelham winkten uns zu, so dass wir dennoch mit einem guten Gefühl in die kurze Pause gingen.
Die Halle wurde immer voller und das Meer von roten Fahnen ließ das nächste Spiel erahnen. Allerdings war´s s schnell vorbei, denn für die rumänischen Damen reichte es gegen China nicht einmal zu einem Satzgewinn.
Vor der Abendsession stärkten wir uns in der Unterkunft, denn ohne die Mittagspause hätten wir den ganzen Tag in der Halle verbracht und gar kein Tageslicht mehr vernommen.
Auf ein Spiel am Abend freuten wir uns riesig. In Erwartung eines spannenden Halfbfinals konnten wir zusehen, wie sich die Halle noch mehr mit Handy-verrückten chinesischen Fans füllte. Ich konnte häufiger beobachten, dass minutenlange Videos von jeder Bewegung des Weltranglistenersten Wang Chuquin gemacht wurden, obwohl dieser nur auf der Bank saß.
Dass die chinesischen Profis derzeit so besiegbar sind wie nie, konnte man nicht nur den Vorhersagen der Buchmacher entnehmen. Auch der Fakt, dass sie in der Gruppenphase zwei Niederlagen hatten einstecken müssen, versprach so einiges. Die jungen Franzosen gingen selbstbewusst ohne Niederlage ins Duell. Und was uns die Lebrun-Brüder und Flavien Coton da boten, war atemberaubend … und ähnlich leidenschaftlich wie der ohrenbetäubende Lärm der 4000 Fans nach jedem Ballwechsel.
Wir fieberten mit und drückten den Europäern alle Daumen. Uns hielt es vor Aufregung kaum auf den Sitzen. Clemens` berechtigte Anmerkung: „Wir könnten heute Historisches erleben.“
Ein Spiel, an Faszination nicht zu überbieten … doch weder eine 2:1 Führung von Coton gegen die Nummer 1 der Welt, noch zwei Matchbälle und eine Serie von sieben Punkten von Alexis Lebrun führten zum Favoritensturz.
Das deutliche Ergebnis von 1:3 aus Sicht der Franzosen sagt wenig über den engen und spannenden Spielverlauf.
Der Abend wurde für uns mal wieder länger als geplant.
Zwischen Koffer packen, Abreiseplanung und der ein oder anderen verdrückten Gedanken-Träne wurde uns klar: Nicht nur die der Europäer, sondern auch unsere Reise ist tatsächlich vorbei.
Abbruch
Sonntag philosophierten wir während der Rückreise über unser nächstes mögliches Abenteuer und die eine bittere Tatsache: Egal was passiert, am Ende gewinnt immer China. Bei den Herren seit 24 Jahren, bei den Damen (mit einer Unterbrechung) seit 33 Jahren.
Da wurde fast zur Nebensache, dass beide Finals China gegen Japan hießen. Ratet mal mit welchem Ausgang…
Wir freuen uns auf eine baldige Fortsetzung unserer Tischtennis-Event-Reisen.
(Seit 2011 mit nun schon Rotterdam, Paris, Düsseldorf, Budapest, Malmö und London)